1. März 2026
- 11:15 Uhr
Neue Schauburg

Der Film Asphalt (1929) von Joe May ist ein bedeutendes Werk des deutschen Stummfilms der späten Weimarer Republik und zeichnet sich durch seine moderne Bildsprache und gesellschaftliche Tiefe aus.
Der junge Polizist Holk verliebt sich in die attraktive Diebin Else, die er eigentlich verhaften soll. Zwischen Pflicht, Moral und Leidenschaft gerät er in einen inneren Konflikt, der schließlich auch seinen autoritären Vater herausfordert. Die Geschichte spielt vor dem pulsierenden Großstadtmilieu Berlins und nutzt die Straße als zentralen sozialen und emotionalen Raum.
Asphalt thematisiert den Konflikt zwischen individueller Moral und staatlicher Ordnung, verkörpert im Generationengegensatz zwischen einem jungen Polizisten und seinem autoritären Vater. Die Stadt erscheint als Ort der Versuchung und moralischen Unsicherheit, in dem feste Werte ins Wanken geraten. Zugleich bietet der Film eine moderne Darstellung von Geschlechterrollen: Die weibliche Hauptfigur tritt selbstbewusst und eigenständig auf und hinterfragt traditionelle Machtverhältnisse.
Stilistisch steht Asphalt zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Zwar prägen Hell-Dunkel-Kontraste und symbolisches Licht die Bildgestaltung, insgesamt überwiegt jedoch ein realistischer Blick auf das Großstadtmilieu. Auch das zurückhaltende, psychologisch glaubwürdige Schauspiel unterscheidet den Film von früheren, stärker theatralischen Stummfilmen.
Filmhistorisch markiert Asphalt einen Höhepunkt des deutschen Stummfilms kurz vor dem Übergang zum Tonfilm und steht exemplarisch für die ästhetische und gesellschaftliche Modernität des Weimarer Kinos.
Den Film begleitet live am Piano der bekannte Pianist Richard Siedhoff.
Der Film dauert ca. 90 Minuten. Karten zu 12 € (Scena-Mitglieder 10 €) gibt es nur an der Tageskasse. Jugendliche haben freien Eintritt.
